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Ein veganes Café eröffnen

Beitrag aus 2018:
6 Fehler, die ich begangen habe und wie du es besser machen kannst!

Nach drei Jahren habe ich beschlossen, meine vegane Konditorei zu schließen.
Warum?
Die Bestellungen liefen zwar sehr gut, aber im Café selber war meist zu wenig los. Leider habe ich zu spät eingesehen, dass die Lage nicht die Beste für ein Café war, dafür die Fixkosten sehr hoch. Und das alles nur mit Tortenbestellungen auszugleichen – effizient ist das nicht, wenn 3/4 der Räumlichkeiten für einen leeren Gästebereich reserviert waren. Wir planten, das Lokal umzubauen. Aber die finanziellen Mitteln und vor allem die Energie dafür, fehlte letztendlich. Ich stand jetzt schon den ganzen Tag in der Backstube mit meinen Mädels. Wie sollten wir da noch mehr Bestellungen aufnehmen können?
Dazu kam durchgehender Stress und meine steigende Versagensangst. Am Ende sind mir bei jeder negativen Bewertung und unfreundlicher KundInnen-Mail fast die Tränen gekommen. Ich musste einfach einen Schlußstrich ziehen, um meinen Kopf frei zu kriegen, wieder Kraft zu tanken und Motivation für Zukunftsprojekte zu haben.

Dennoch bereue ich keinen Tag. Ich bin noch immer die introvertierte und ständig unsichere Melli (zwei Eigenschaften, die nicht so toll sind, wenn man ein eigenes Business eröffnet), aber ich bin auch gewachsen: Ich habe Backshows absolviert, Kurse gehalten, Kundengespräche geführt und mein eigenes Team geleitet. Yeah! Schon allein diese persönliche Entwicklung war jeden noch so heftigen Arbeitstag wert.

Wenn du also überlegst, dich selbstständig zu machen, möchte ich dir weder davon abraten, noch möchte ich dich dazu motivieren. Du musst die Vor- und Nachteile selber für dich abwägen und überlegen, ob du die richtigen Eigenschaften und genügend finanzielle Mitteln dafür hast. Vielleicht kann ich deine Entscheidung erleichtern und dir ein paar hilfreiche Tipps geben, wenn du diesen aufregenden Schritt wagen möchtest.

Denkfehler Nr. 1: „Alle VeganerInnen werden mir die Bude einrennen!“

Gefühlte 70% unserer KundInnen waren keine VeganerInnen. Sie kamen, weil es ihnen einfach schmeckte. Oder weil sie neugierig waren, Intoleranzen hatten oder das Lokal in ihrer Nähe lag. Denn auch wenn der „Trend“ immer größer wird, ist der Veganismus noch eine Nische. Selbst Charly Schillinger von der Swing Kitchen sagt, dass der Großteil seiner Burgerfans nicht vegan lebt.

Tipp: Mach nicht primär die vegan lebenden Menschen zu deiner Zielgruppe. Schau, dass du KundInnen ansprichst, die an einer „gesunden Schiene“ interessiert sind, die Intoleranzen haben (Milch, Eier, …) oder etwas ganz anderes. Versteht mich nicht falsch: Ich liebe es von veganer Kundschaft umgeben zu sein und habe gedacht/gehofft, dass diese meine Zielgruppe wird. Doch den meisten KundInnen war es relativ egal, ob sie in einem veganen oder unveganen Café standen.
Das ist aber nicht so schlimm, wie du vielleicht denkst. Denn wenn Leute bei dir essen oder etwas bestellen, denen die vegane Ernährung (noch?) relativ egal ist, konsumieren sie etwas rein veganes, merken, dass es schmeckt und kommen vielleicht wieder. Und das ist supergut für die Tiere und den Veganismus allgemein.

Denkfehler Nr. 2: „Ich habe so einen riesigen veganen Bekanntenkreis. Alle meine FreundInnen werden ständig vorbeikommen!“

Viele meiner Bekannten und die meisten VeganerInnen, die ich kenne, waren null bis einmal bei mir. Wenn es einen veganen Kuchen bei einer großen Bäckereikette viel günstiger gibt, warum sollte man dann extra ins NomNom fahren und das dreifache zahlen? Die schöne Seite daran: Ich durfte ganz viel neue Menschen kennen lernen, die sich zu treuen und superlieben StammkundInnen entwickelt haben. Und Leute, mit denen ich davor nicht so viel Kontakt hatte, die aber regelmäßig kamen, sind mir sehr ans Herz gewachsen und neue Freundschaften haben sich entwickelt.

Tipp: Nimm es nicht persönlich, wenn dich jemand nicht (ständig) besucht. Jeder hat seine Gründe dafür. Dir ist niemand etwas schuldig.

Denkfehler Nr. 3: „Die Lage ist ganz okay. Wenn die Leute mich einmal kennen, kommen sie so oder so. Egal wo mein Lokal liegt.“

Ähm, nein. Felix Hnat von der Veganen Gesellschaft Österreich sagte einst diese weisen Worte: „Die zwei wichtigsten Dinge bei einem Lokal sind: Erstens die Lage und zweitens die Lage.“
Nach zwei Jahren intensivem Location-Suchen wollte ich  nicht mehr warten. Und das Gesamtpaket hat ja gepasst. Zwei U-Bahn Linien in der Nähe und – wow – der erste Bezirk gleich um die Ecke! Wenn dein Lokal aber um die Ecke gar nicht gesehen wird, bringt dir der belebte erste Bezirk recht wenig.

Tipp: Lass dir viel, viel Zeit. Schau dir Locations in Ruhe an. Frag die Makler alles, was du wissen willst – sie werden schließlich von dir bezahlt, sobald der Vertrag steht. Wenn möglich, rede mit den ehemaligen Mietern. Besuch den Ort und die Umgebung an unterschiedlichen Tagen (unter der Woche, am Wochenende) und Uhrzeiten (morgens vor der Arbeit, tagsüber, Mittagspause, abends). Schau dich um: Von welchen Gebäuden ist das Lokal umgeben? Viele Büros, Schulen, andere Geschäfte, ähnliche Lokale? Was ist dort so los? Du wirst bald merken, ob die passende Laufkundschaft da wäre oder eben nicht.

Denkfehler Nr. 4: „Alle Kunden werden immer zufrieden sein. Meine Süßspeisen sind superlecker und ich arbeite verlässlich. Also was soll schief gehen?“

Die meisten Menschen sind freundlich, höflich und dankbar und zu 90% habe ich positives Feedback bekommen. Leider nehmen die restlichen 10% in meinen Gedanken oft einen viel größeren Platz ein und ich grübel und grübel und raunze und raunze. Aber du kannst es nunmal nicht jedem Recht machen.
Und oft merkt man im Nachhinein, dass man tatsächlich Fehler gemacht hat und kann daraus lernen.

Tipp: Lege dich nicht mit KundInnen an. Versuche nicht, sie zu überzeugen, dass sie im Unrecht/selber Schuld sind und du selbst alles richtig gemacht hast. Versuch dich in ihre Lage zu versetzen, entschuldige dich aufrichtig, versuche gut zu machen was noch gut zu machen ist und hake das Thema dann als Erfahrung ab. Und: Bekomm bitte keine Panikattacken, weil du befürchtest, dass es deswegen eine superschlechte Bewertung auf Google/Facebook/Happycow gibt. Jedes noch so coole Unternehmen hat mindestens ein paar schlechte Bewertungen. Und leider bewerten meist nur die unzufriedenen KundInnen.
Und dann sind wir auch schon bei meinem Tipp: Lass dich nicht zu sehr von Onlinebewertungen und Kritiken beeinflussen. Seitdem ich selber ein Lokal habe, gebe ich jedem Restaurant und Geschäft eine zweite Chance und schreibe auch keine fiesen Kommentare. Wenn mich wirklich etwas gestört oder mir etwas nicht gepasst/geschmeckt hat, schreibe ich die Firma per Mail an, um ihnen sinnvolle und sachliche (und nicht schwer emotionale, ärgerliche) Kritik zu geben. Denn selbst wenn wir im Kundenservice arbeiten: Wir sind auch nur Menschen, die mal einen schlechten Tag haben, die nicht perfekt sind und die eben nicht immer nur super funktionieren können.

Denkfehler Nr. 5: „Meine Kosten werde ich locker decken. Die Miete liegt unter 2000€ und der Rest wird wohl nicht so viel ausmachen.“

Diese naive Vorstellung verschwindet ganz schnell, sobald man einen Businessplan schreibt. Die Miete ist nur ein kleiner Teil der Kosten. Vor allem, wenn Angestellte (ja, auch Geringfügig summiert sich!), Strom (Backofen und Geschirrspüler sind ständig im Betrieb) und Materialkosten (mich würde ja schon interessieren, wie viel Tonnen Mehl wir in diesen Jahren in vegane Torten verwandelt haben!) dazu kommen. Und die Steuern und Abgaben erledigen dann noch mal den Rest.

Tipp: Kein Business ohne ordentlichen Businessplan! Die regelmäßigen Umsätze nicht zu großzügig berechnen, genügend Budget für Marketing lassen. Rücklagen haben, wenn es mal schlechter läuft. Bei mir war das v.a. im Jänner (Neujahrsvorsätze und so) und im Sommer (wenn es richtig heiß ist verlässt niemand das Haus, höchstens zum Baden).

Denkfehler Nr. 6: „Wow, dieser Gastro-Kühlschrank ist riesig! Einer reicht aufjedenfall. Wie soll ich den jemals voll bekommen?“

Glaub mir, du wirst. Wir haben anfangs in einen Gastro-Kühlschrank und einen Gastro-Gefrierschrank investiert und ein halbes Jahr später haben wir uns nochmal je einen besorgt. Und noch immer war es oft so eng, dass das Verstauen in Tetris-ähnliche Zustände ausartete.

Tipp: Plane dir Budget und räumlichen Platz ein für weitere Investitionen, die sich in den kommenden Monaten eventuell ergeben werden.

Wenn du dich ebenfalls im veganen Bereich selbstständig gemacht hast oder planst, dies zu tun, kannst du deine Erfahrungen hier gerne teilen! :) 

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